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Software-Piano statt Digitalpiano: Pianoteq, Keyscape & kostenlose Klaviere – mit Latenz-Rechner

Ein Konzertflügel als Programm, gespielt über ein MIDI-Keyboard: Software-Pianos klingen oft besser als Digitalpianos derselben Preisklasse. Was du brauchst, welche Programme es gibt und wie du die Verzögerung unter 10 ms bringst.

  • Technik erklärt, keine Testsieger
  • Rechnet im Browser
  • Preisspannen statt Preise

Latenz-Rechner: Wie direkt spielt sich dein Software-Piano?

Puffergröße und Abtastrate aus den Audio-Einstellungen – du siehst die Verzögerung von der Taste bis zum Ton und ob sie spielbar ist.

Geprüft am 11.10.2026Lesezeit 4 Minuten11 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Software-Piano oder Digitalpiano?
  2. Gesampelt oder gerechnet
  3. Die Programme im Überblick
  4. Das passende MIDI-Keyboard
  5. Rechner, Interface, Latenz
  6. Stimmungen ausprobieren
  7. Streckstimmung
  8. Häufige Fragen

Wir testen keine Geräte: Diese Seite erklärt die Technik, rechnet mit Formeln und nennt Geräteklassen mit Preisspannen (Marktbeobachtung Oktober 2026). Genannte Modelle sind Beispiele, keine Testsieger. Werbelinks zu Amazon sind gekennzeichnet. Wie wir arbeiten

Das Wichtigste in Kürze

  • Software-Piano = MIDI-Keyboard mit Hammermechanik + Rechner + Klavier-Programm; der Klang kommt aus dem Rechner, die Tastatur bleibt.
  • Pianoteq rechnet das Klavier physikalisch (ca. 50 MB, ab 139 €), Keyscape und Garritan CFX spielen Aufnahmen (22–133 GB); kostenlos: Salamander Grand Piano (CC BY 3.0) und die Pianoteq-Testversion.
  • Spielbar ist es unter etwa 10 ms von der Taste bis zum Ton – meist 64 bis 256 Samples Puffer mit einem USB-Audio-Interface.
  • Hängende Töne kommen fast immer von falsch gepoltem Sustain-Pedal oder verlorenen Note-Off-Befehlen, Knackser von zu kleinem Puffer.

Software-Piano oder Digitalpiano?

Ein Digitalpiano bringt Tastatur, Klangerzeugung und Lautsprecher in einem Gehäuse. Ein Software-Piano trennt das: Die Tastatur ist ein MIDI-Keyboard mit gewichteter Hammermechanik, den Klang rechnet der Computer, hören tust du über Kopfhörer oder Monitore. Der Vorteil: Klänge, die in Digitalpianos erst ab etwa 2.000 € stecken, gibt es als Programm für einen Bruchteil – und du kannst den Flügel wechseln, ohne die Tastatur zu tauschen. Der Nachteil: Ein Rechner muss laufen, und die Latenz muss stimmen.

  • Software-Piano lohnt sich, wenn ohnehin ein Rechner oder Tablet am Instrument steht, du aufnimmst oder mehrere Klaviere willst.
  • Ein Digitalpiano ist besser, wenn du einschalten und spielen willst, Kinder üben oder kein Rechner im Raum stehen soll.

Gesampelt oder gerechnet

Die meisten Klavier-Programme spielen Aufnahmen (Samples) echter Flügel ab: jede Taste in mehreren Anschlagstärken, oft mit Pedal- und Saitenresonanz. Das klingt sehr echt, braucht aber viele Gigabyte Speicher. Pianoteq geht einen anderen Weg: Es rechnet Saiten, Resonanzboden und Hammer physikalisch nach (Modellierung). Das Programm ist klein, reagiert fein auf Anschlag und Pedal, und du kannst Stimmung, Streckung, Härte der Hämmer oder Deckelöffnung frei verstellen – Dinge, die bei Samples festgelegt sind.

Die Programme im Überblick

Preise vom Oktober 2026 laut Hersteller; Dollarpreise ohne Umrechnung, weil die Euro-Preise je nach Händler schwanken.

ProgrammPrinzipGrößePreis
Pianoteq 9 (Modartt)physikalisch gerechnetca. 50 MBStage 139 €, Standard 269 €, Pro 399 €
Keyscape (Spectrasonics)Samples, viele Tasteninstrumenteca. 77 GBca. 399 US-$
Garritan CFX Concert GrandSamples eines Yamaha-CFX-Flügels24,5–133 GB, Lite ca. 22 GB199,95 US-$, Lite 79,95 US-$
Salamander Grand PianoSamples (SFZ/SF2), frei0,3–1,2 GBkostenlos, Lizenz CC BY 3.0
Pianoteq-Testversionwie Vollversionca. 50 MBkostenlos, einige Tasten gesperrt
  • Pianoteq ist die Wahl für ältere oder kleine Rechner, für Linux und den Raspberry Pi und für alle, die an Stimmung, Hämmern und Resonanz drehen wollen. Stage reicht zum Spielen; Standard erlaubt, das Klaviermodell zu verändern, Pro jede Taste einzeln.
  • Keyscape lohnt sich, wenn du neben dem Flügel auch E-Pianos, Clavinet und Celesta willst – braucht aber eine schnelle SSD und mindestens 8 GB Arbeitsspeicher.
  • Garritan CFX bietet einen einzelnen Konzertflügel in mehreren Mikrofonpositionen; die Lite-Version mit nur einer Position ist der günstige Einstieg.
  • Kostenlos: Das Salamander Grand Piano läuft in jedem SFZ-Player (z. B. dem freien sfizz) und darf laut CC-BY-Lizenz mit Namensnennung auch in veröffentlichter Musik genutzt werden. Weitere Gratis-Klaviere gibt es als Plugin oder für den kostenlosen Decent Sampler (etwa bei Pianobook) – lies dort jeweils die Lizenz, bevor du Aufnahmen veröffentlichst.

Kein Programm hier ist ein „Testsieger“: Wir haben die Programme nicht gegeneinander getestet, sondern Prinzip, Größe und Preis zusammengetragen. Die Pianoteq-Testversion zeigt am schnellsten, ob dir ein gerechnetes Klavier liegt. Modartt hat kein Partnerprogramm – Links zum Hersteller bringen uns nichts ein.

Das passende MIDI-Keyboard

Für Klavierspiel zählt die Tastatur mehr als das Programm: 88 Tasten mit gewichteter Hammermechanik, drei Sensoren pro Taste sind angenehm, aber kein Muss. Wichtig sind ein Anschluss für das Sustain-Pedal (am besten mit Halbpedal-Unterstützung) und USB-MIDI. Ein Digitalpiano mit USB-MIDI-Ausgang ist oft die günstigste Tastatur – das gute Spielgefühl hast du dann, und das Programm ersetzt nur den Klang. Mehr zur Tastenwahl im Tasten-Finder.

Rechner, Interface, Latenz

Ein Mittelklasse-Rechner der letzten fünf Jahre reicht; bei Sample-Pianos zählen SSD und Arbeitsspeicher, bei Pianoteq der Prozessor. Ein USB-Audio-Interface bringt die Latenz zuverlässig unter 10 ms – die eingebaute Soundkarte unter Windows meist nicht. Der Latenz-Rechner oben zeigt, welche Puffergröße du brauchst; mehr zu Interfaces im Interface-Finder.

Stimmungen ausprobieren

Gerechnete Klaviere lassen sich umstimmen – eine historische Stimmung kostet einen Klick. Der Stimmungs-Rechner zeigt, um wie viel Cent jede Taste abweicht, und spielt Töne und Dreiklänge direkt im Browser.

Stimmungs-Rechner: Historische Stimmungen hören

Stimmung wählen – die Tabelle zeigt, um wie viel Cent jede Taste von der gleichstufigen Stimmung abweicht. Mit „Ton“ und „Dur“ hörst du den Unterschied.

Streckstimmung

Ein Klavier ist nie exakt gleichstufig gestimmt: Die Saiten sind steif, ihre Obertöne liegen etwas zu hoch, und damit Oktaven nicht schweben, werden hohe Töne höher und tiefe tiefer gestimmt. Wie stark, zeigt die Kurve.

Streckstimmung: Warum hohe Töne höher gestimmt werden

Instrument und Bass-Oktave wählen – die Kurve zeigt, wie weit jede der 88 Tasten von der gleichstufigen Theorie abweicht (Railsback-Kurve, Modell).

Häufige Fragen

Ist ein Software-Piano besser als ein Digitalpiano?

Im Klang oft ja – Programme wie Pianoteq oder Sample-Flügel übertreffen viele Digitalpianos bis 1.500 €. Dafür brauchst du einen Rechner und ein Audio-Interface; ein Digitalpiano ist sofort spielbereit.

Welche Latenz ist zum Klavierspielen in Ordnung?

Unter etwa 10 ms von der Taste bis zum Ton merken die meisten nichts. Bei 48 kHz entspricht das einem Puffer von 128 bis 256 Samples plus der Zeit für Wandler und Treiber.

Gibt es ein gutes kostenloses Klavier-Programm?

Das Salamander Grand Piano (CC BY 3.0) in einem freien SFZ-Player ist der Klassiker; dazu die Pianoteq-Testversion mit einigen gesperrten Tasten. Bei anderen Gratis-Klavieren vor dem Veröffentlichen die Lizenz lesen.

Warum hängen bei mir Töne?

Meist ist das Sustain-Pedal falsch gepolt – im Programm die Polarität umstellen oder das Pedal vor dem Einschalten des Keyboards anstecken. Sonst ging ein Note-Off verloren: „All Notes Off“ bzw. Panic drücken.

Was ist eine Streckstimmung?

Klaviere werden im Diskant etwas höher und im Bass etwas tiefer gestimmt als die gleichstufige Theorie, weil die Obertöne steifer Saiten zu hoch liegen (Inharmonizität). Die Abweichung über die Tastatur heißt Railsback-Kurve.

Quellen

  1. Modartt: Pianoteq – Editionen und Preise – https://www.modartt.com/buy (abgerufen 11.10.2026)
  2. Modartt: Pianoteq – Überblick und Testversion – https://www.modartt.com/pianoteq_overview (abgerufen 11.10.2026)
  3. Spectrasonics: Keyscape – Systemanforderungen – https://support.spectrasonics.net/manual/Keyscape/11/en/topic/system-recommendations (abgerufen 11.10.2026)
  4. Garritan: CFX Concert Grand Virtual Piano – https://www.garritan.com/products/cfx-concert-grand-virtual-piano/ (abgerufen 11.10.2026)
  5. FreePats: Salamander Grand Piano (CC BY 3.0) – https://freepats.zenvoid.org/Piano/acoustic-grand-piano.html (abgerufen 11.10.2026)
  6. Sound On Sound: How much latency is acceptable for a virtual piano? – https://www.soundonsound.com/sound-advice/q-how-much-latency-acceptable-virtual-piano (abgerufen 11.10.2026)
  7. Wikipedia: Physikalische Modellierung – https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalische_Modellierung (abgerufen 11.10.2026)
  8. Wikipedia: Wohltemperierte Stimmung – https://de.wikipedia.org/wiki/Wohltemperierte_Stimmung (abgerufen 11.10.2026)
  9. Wikipedia: Mitteltönige Stimmung – https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelt%C3%B6nige_Stimmung (abgerufen 11.10.2026)
  10. Wikipedia: Inharmonizität – https://de.wikipedia.org/wiki/Inharmonizit%C3%A4t (abgerufen 11.10.2026)
  11. Wikipedia (englisch): Railsback curve – https://en.wikipedia.org/wiki/Railsback_curve (abgerufen 11.10.2026)
Redaktion tools4music.de. Vollständig neu geschrieben und geprüft am 11.10.2026. Kaufberatung, keine Gerätetests – Preise beim Händler prüfen.

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